Im (Satz-)Zeichen der Selbstständigkeit: Mein erstes Jahr als professioneller Geschichtenerzähler

Seit einem Jahr arbeite ich nun als selbstständiger Texter, Konzeptionist und Moderator. Die vergangenen zwölf Monate waren geprägt von interessanten Begegnungen, lehrreichen Erfahrungen und – wie soll es anders sein – einer Menge Geschichten. Zum einjährigen Jubiläum widme ich mich allerdings nicht den Inhalten dieser Geschichten, sondern vielmehr den Satzzeichen dazwischen. Anhand von Punkten, Beistrichen, Frage- und Rufzeichen erzähle ich, wie es mir im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit ergangen ist. 

Vor ziemlich genau einem Jahr erweiterte ich die Erzählung meines Lebens um das Kapitel „Selbstständigkeit“. In den vergangenen zwölf Monaten hatte ich die Gelegenheit, dieses Kapitel mit vielen spannenden, lehrreichen und teils kuriosen Geschichten zu füllen. Mindestens ebenso interessant wie die Inhalte dieser Geschichten sind die Satzzeichen, die ich – teils ganz bewusst, teils gezwungenermaßen – in diesem neuen Kapitel gesetzt habe. Begonnen hat alles mit einigen Fragezeichen.

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War es die richtige Entscheidung, den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen? Werde ich rasch Kundinnen und Kunden finden? Wird es mir gelingen, mit meinen Geschichten zu begeistern? Fragen wie diese prägten die erste Zeit in der Selbstständigkeit. Mit Stolz und Demut kann ich sagen, dass die meisten dieser Fragezeichen über meinem Kopf nach wenigen Tagen und Wochen ganz von allein zerplatzt sind. Ich konnte das Netzwerk, das ich mir während meiner Studienzeit aufgebaut habe, nützen und daraus meine ersten Kundinnen und Kunden gewinnen. Es ehrt mich, dass renommierte Unternehmen einem Newcomer auf dem Texter-Parkett ihr Vertrauen geschenkt haben. Ja, es war rückblickend die richtige Entscheidung, den Schritt – oder vielmehr den Sprung – in die Selbstständigkeit zu wagen. Aus vielen dieser Fragezeichen wurden im Laufe der letzten Monate Rufzeichen – dazu aber später mehr. In der Zwischenzeit sind aber auch wieder neue Fragezeichen aufgetaucht: Wie funktioniert die Sache mit der Steuer eigentlich genau? Kann ich meine kleine Marke richtig positionieren? Wird es auch in Zukunft Bedarf für packende Geschichten geben? Kurzum: Es bleibt weiterhin spannend.

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Kaum ein anderes Satzzeichen führt ein so stiefmütterliches Dasein wie das Komma. Dabei erfüllt der Beistrich, wie er in unseren Breiten genannt wird, so wichtige Funktionen: Er trennt ab, trägt zur Verständlichkeit bei und – und das ist der springende Punkt bzw. Beistrich – zeigt an, dass danach noch etwas kommt, dass es weitergeht. Es freut mich sehr, dass ich hinter einige Projekte des letzten Jahres Kommata statt Punkte setzten durfte. Aus einmaligen Aufträgen wurden langfristige Partnerschaften. Große Unternehmen, aber auch Einzelunternehmerinnen und -unternehmer sowie Start-ups lassen mich regelmäßig für sie kommunizieren. Und die nächsten Beistriche sind bereits gesetzt – ins zweite Jahr meiner Selbstständigkeit starte ich mit neuen Aufträgen von mittlerweile alten Bekannten. 

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Aber nicht immer ist es klug, ein Komma zu setzen. Es gibt Situationen, in denen ein Punkt mehr Sinn macht. Punkte beenden, sie zeigen an, dass etwas abgeschlossen ist. Manchmal sollte man diese Punkte schon setzten, bevor man eine Geschichte überhaupt beginnt. Natürlich habe ich in den vergangenen zwölf Monaten auch negative Erfahrungen gemacht. Einige Male war ich mit unfairen Angeboten oder unverschämten Wünschen konfrontiert. In diesen Momenten gelang es mir nicht immer, einen Punkt zu setzen. Das bewusste Neinsagen war etwas, das ich erst lernen musste. Mittlerweile habe ich aber ein gutes Gespür dafür entwickelt und scheue nicht mehr davor zurück, Punkte zu setzen, wo es notwendig ist. 

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Das Rufzeichen wird im Deutschen unter anderem zur Bekräftigung von Aussagen verwendet. Es signalisiert, dass ein Sachverhalt wichtig ist. Während die eben angesprochenen Punkte nur sehr selten verwendet werden mussten, kam das Rufzeichen umso öfter zum Einsatz. Ich bin sehr glücklich, dass ich hinter viele Geschichten und Momente des letzten Jahres ein solches Rufzeichen setzten durfte. Zahlreiche Kundinnen und Kunden gaben mir die Möglichkeit, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und packende Geschichten für sie zu erzählen. Ein paar dieser Rufzeichen-Momente habe ich auf den Seiten Text, PR und Moderation zusammengefasst. Aber nicht nur die Aufträge selbst waren Highlights für mich. In den letzten 365 Tagen durfte ich viele tolle, sympathische und wahnsinnig talentierte Menschen kennenlernen. Die Kommunikation fand in fast allen Fällen auf Augenhöhe statt und war geprägt von gegenseitigem Respekt und der nötigen Prise Humor. Für all diese inspirierenden Begegnungen bin ich wahnsinnig dankbar.

Egal, ob Punkt, Beistrich, Frage- oder Rufzeichen: Jedes Satzzeichen, das ich im ersten Teil dieses neuen Kapitels gesetzt habe, war wichtig und hat meine Lebensgeschichte bereichert. Ich bin gespannt, welches Zeichen das kommende Jahr und damit die Fortsetzung dieses so wichtigen Kapitels dominieren wird. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf. Punkt.