Post-Corona-Geschichten: 7 Narrative für die Zeit nach der Krise

Müllkippe und Mensch, der Coronavirus wegwirft

In Krisenzeiten wie diesen sind sinnstiftende Erzählungen unverzichtbar. Aber auch für die Zeit nach Corona brauchen wir Narrative, die uns Mut machen und Hoffnung spenden. Bei der Entwicklung dieser Post-Corona-Narrative helfen uns die sieben Basis-Plots von Booker. Ein Gedankenexperiment.

Kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie in unseren Breiten machte eine hoffnungsvolle, erfrischende Erzählung über die Zeit nach der Krise die Runde: „Die Welt nach Corona“ von Matthias Horx. Die Zeilen des Zukunftsforschers sorgten für einen Hype in den sozialen Medien, riefen aber gleichzeitig auch Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan. Es sei zu früh, eine valide Prognose für die Zeit nach der Krise zu treffen, so der einhellige Tenor derer, die Horx‘ Worte ablehnen. Diesbezüglich haben sie recht. Auch ich war und bin nach wie vor der Überzeugung, dass es zu früh ist, die Zeit nach der Corona-Krise vorauszusagen. Dennoch ist die Kritik an Horx’ Artikel in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Der Zukunftsforscher hat keine Prognose aufgestellt, sondern vielmehr versucht, ein Narrativ zu entwickeln. Narrative sind sinnstiftende Erzählungen, die Werte transportieren, Menschen Orientierung geben und auf gemeinsame Ziele einschwören. Schon allein die Definition macht deutlich, warum es – gerade in Zeiten wie diesen – Narrative braucht. Der Horx’sche Essay ist also ein wohltuendes und wichtiges Gedankenexperiment. An einem solchen habe auch ich mich versucht und sieben mögliche Narrative für die Zeit nach Corona entwickelt. Denn auch nach der Krise braucht es Narrative, die Mut machen und Hoffnung spenden. Die Zahl Sieben kommt nicht von ungefähr: 2004 veröffentlichte der Autor und Journalist Christopher Booker in seinem Werk „The Seven Basic Plots: Why We Tell Stories“ sieben Plots, die die Basis für den Großteil aller Geschichten auf unserer Welt bilden sollen. Auch dieses Modell stieß nach seiner Veröffentlichung auf Kritik. Nichtsdestotrotz bildet es in meinen Augen ein gutes Analyseraster, um Geschichten zu ordnen. Die sieben Basis-Plots nach Booker sind:

  • Kampf gegen das Monster: Protagonistinnen und Protagonisten müssen eine böse Macht besiegen, von der sie und/oder ihre Mitmenschen bedroht werden.
  • Vom Tellerwäscher zum Millionär: In diesem Plot dreht sich alles um Personen, die etwas erreichen – sei es Geld, Macht oder Liebe –, das ihnen zu Beginn der Geschichte gefehlt hat.
  • Die Mission: Protagonistinnen und Protagonisten begeben sich auf die Suche nach einer wichtigen Person oder einem wichtigen Objekt und müssen auf ihrer Reise Hindernisse überwinden.
  • Reise und Rückkehr: Funktioniert ähnlich wie die Mission, allerdings liegt der Fokus hier stärker auf der Wandlung der Charaktere und den Erfahrungen, die sie in der fremden Welt gemacht haben.
  • Wiedergeburt: Ereignisse bringen die handelnden Personen dazu, ihr Leben zu ändern und andere, oft bessere Menschen zu werden.
  • Tragödie: Tragödien handeln vom Scheitern und/oder Leid der Charaktere und enden – wie der Name schon sagt – tragisch.
  • Komödie: Hier stehen das Lachen sowie Verwechslungen und Missverständnisse im Vordergrund. Die Komödie schließt in der Regel mit einem Happy End.

Ausgehend von Bookers Modell habe ich – ebenso wie Horx – meine Gedanken auf Reisen geschickt und sieben denkbare Narrative entwickelt, derer wir uns nach Corona bedienen könnten.

Sieben Narrative für die Post-Corona-Zeit

Kampf gegen das Monster: Wir haben das Virus besiegt.

Dieses erste Narrativ wird eines der wichtigsten sein, wenn es darum geht, die Folgen der Krise zu überwinden. Es handelt von Personen, die den Kampf gegen Corona erfolgreich gemeistert haben. Menschen, die trotz schwerer Krankheitsverläufe den Sieg über das Virus davongetragen haben, könnten – vor allem in zukünftigen Krisen – unverzichtbare Botschafterinnen und Botschafter der Hoffnung sein. Auf einer anderen Ebene handelt dieses Narrativ vom Kampf der Wissenschaft, der es gelungen ist, ein Medikament oder einen Impfstoff zu finden, um Corona endgültig in die Schranken zu weisen.

Vom Tellerwäscher zum Millionär: Wir sind an der Krise gewachsen.

Egal, ob kreative Gemeinschaftsaktionen, soziale Initiativen oder technische Innovationen: Lösungen, um halbwegs gut durch die Krise zu kommen, gab es genug. Nach der Krise ist Platz für die Geschichten derer, die durch diese Lösungen Erfolg, Bekanntheit und/oder Reichtum erlangt haben.

Reise und Rückkehr: Wir haben durch unseren Einsatz wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Zahlreiche Bevölkerungsgruppen wie Zivildiener, Soldatinnen und Soldaten oder Krankenschwestern und -pfleger sind in der Krise über ihren Schatten gesprungen und zum Teil auch an ihre Grenzen gegangen. Sie haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ihr Leben nachhaltig verändert haben. Diese Geschichten können uns Mut machen und Hoffnung spenden.

Die Mission: Wir haben alles gegeben, um die schwierige Zeit zu meistern.

Dieses Narrativ handelt weniger vom Ergebnis des Kampfes oder der Reise der Charaktere, sondern rückt vielmehr deren Streben nach einer Lösung in den Mittelpunkt. In dieser Erzählung werden wir Menschen auf ihrem Weg durch die Krise begleiten und hautnah erleben, wie sie mit schwierigen Situationen umgegangen sind.

Wiedergeburt: Wir haben uns selbst gefunden.

Das Wiedergeburt-Narrativ thematisiert die Geschichte von Menschen, die durch die Corona-Krise in irgendeiner Art und Weise (stärker) zu sich selbst gefunden haben. Dass Menschen durch ihre Erfahrungen in der Krise langfristig ein besseres Leben führen können, könnte eine der wertvollsten Erzählungen in der Post-Corona-Zeit sein.

Tragödie: Wir sind an Corona zerbrochen.

Auch ein Narrativ des Scheiterns wird sich nicht verhindern lassen. Geschichten über Menschen, Länder, Branchen oder Systeme, die den Kampf gegen Corona nicht gewinnen konnten, werden uns aufrütteln und traurig machen. Sie werden uns aber auch Mut geben und uns unsere Lehren aus etwaigen Fehlern ziehen lassen.

Komödie: Wir haben uns während der Krise verliebt.

Ich bin davon überzeugt, dass uns nach Corona auch einige ungewöhnliche Liebesgeschichten erwarten werden. Egal, ob Dating-App, Begegnungen bei der Essenszustellung oder Nachbarschaftshilfe: Möglichkeiten, sich während der Krise kennenzulernen, gab es trotz Lockdown genug. Geschichten über wochenlange Chats und erste Skype-Dates, die schlussendlich zur großen Liebe geführt haben, werden nach der Krise garantiert für Schmunzeln sorgen.

Diese Liste an Narrativen für die Post-Corona-Zeit ist weder vollständig noch in Stein gemeißelt. Meine Narrativ-Vorschläge sollen zum Nachdenken und Umdenken, aber auch zum Schmunzeln anregen. Es sind beispielhafte Erzählungen über neue Entdeckungen, große Herausforderungen und kleinen Gesten, die Großes zum Gemeinwohl beigetragen haben. Was wir aus diesen Erzählungen machen, bleibt uns überlassen.

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